Die Zehn Wichtigsten Verkostungsraumtipps der Veteranen der Kalifornischen Weinbaugebiete

Winzer Judd Finkelstein weiß genau, wie viel in den Verkostungsräumen auf dem Spiel steht. Ein grober Schnitzer – und die Besucher verlassen das Weingut mit einem sauren Geschmack im Mund. Machen Sie jedoch alles richtig, dann gewinnen Sie einen Kunden für’s Leben!

Natürlich gibt es keinen Ansatz, der für alle passend wäre – sicherlich ist das Unikum Finkelstein der einzige Winzer weit und breit, der die Besucher seiner Judd’s Hill Winery mit einem Song auf seiner geliebten Ukulele begrüßt, wenn er gerade in Stimmung ist – eins haben jedoch alle erfolgreichen Verkostungsveranstaltungen gemeinsam: den warmherzigen Kontakt mit dem Kunden.

„Wir möchten Sie kennenlernen. Wir möchten Ihnen nicht nur ein Glas Wein einschenken und dann zum nächsten gehen,“ erklärt Finkelstein.

 

Und so teilen Finkelstein, genau wie Tyler Plant, Director of Business Operations (Geschäftsführender Direktor) bei Jackson Family Wines, und Regina Weinstein, Direktor für Marketing und Einzelhandel bei Honing Vineyard and Winery, wertvolle Tipps mit Ihnen, um ein erfolgreiches Verkostungserlebnis zu planen und umzusetzen.

  1. Entscheiden Sie selbst, welche Stimmung Sie erzeugen möchten. Der erste Verkostungsraum von Judd’s Hill war der Weinkeller der Finkelsteins bei ihnen zu Hause. Und als Finkelstein dann zehn Jahre später entschied, in der Winzerei am Silverado Trail in Napa Valley einen neuen Verkostungsraum aufzubauen, war es ihm das Wichtigste, dort die gleiche freundliche, entspannte Atmosphäre zu bieten wie zu Hause. Besucher müssen sich zwar vorher anmelden, aber das war’s dann auch schon mit den Formalitäten: Sie sitzen an einem langen Dinnertisch und kosten nach und nach die gesamten Angebote dieses Tages. „Es ist ein bisschen so, wie wenn man bei Freunden zu Gast ist,“ erklärt Finkelstein.
  2. Ihre Stärken betonen. Wenn man sich im von Weingütern übersäten Napa Valley behaupten möchte, so ist das keine einfache Aufgabe. „Erst müssen Sie sich darüber klar werden, was Sie von anderen abhebt und ganz besonders macht – und das kann ganz schön hart sein,“ sagt Weinstein. Auch bei Honig ist – wie in den meisten Winzereien im Napa Valley – eine vorherige Anmeldung erforderlich. Auch wenn es hier keine beeindruckenden Weinkeller oder Gebäude gibt, so hat es doch wundervolle Ausblicke auf die Weinberge zu bieten, zusammen mit einer ausdrücklichen Selbstverpflichtung zu nachhaltiger Bewirtschaftung und einer Familiengeschichte, die vier Generationen zurückreicht. Damit sich diese positiven Eigenschaften gebührend auszahlen, bietet Honig eine Öko-Tour an, bei der die Bewirtschaftungsmethoden der Winzerei und die starke Nutzung von Sonnenenergie vorgeführt und gleichzeitig die familiären Wurzeln der Winzerei betont werden. „So bekommen die Besucher das Gefühl, zu den „Eingeweihten“ zu gehören,“ erklärt Weinstein. „Sie merken, dass sie Dinge über das Valley erfahren, die ihnen in einem größeren Betrieb möglicherweise verborgen geblieben wären.“ Gleichzeitig hat sich Honig inzwischen einen Ruf als familienfreundliches Ausflugsziel aufgebaut, an dem Kinder mit Snacks und Saft versorgt werden und mit Kreide auf dem Pflaster malen dürfen.
  3. Das Gesicht in der Menge finden. Das Kendall-Jackson Wine Estate and Gardens mit ihrem Sitz in Sonoma County zieht stets eine große Zahl von Besuchern an. „Diesen Besuchern ein Erlebnis zu bieten, das sich für jeden lohnt, erfordert KENDALLJACKSONziemlich viel Flexibilität,“ erläutert Plant. „Wir bemühen uns immer, jeden nach seinen Wünschen zufriedenzustellen, haben selbst aber auch eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was für sie neu und außergewöhnlich sein könnte, und so treffen wir uns meist irgendwo in der Mitte. Wenn man eine große Gruppe als eine ganze Reihe kleiner Grüppchen auffasst, dann wird es leichter, ihnen jene persönlichen Erlebnisse zu verschaffen, die die Kunden so schätzen.“
  4. Das Einstellen von Mitarbeitern aufgrund von sozialer Kompetenz und nicht trockenem Bücherwissen. Finkelstein ist sich ziemlich sicher, dass er seinen Mitarbeitern all das beibringen kann, was sie über seine Weine wissen müssen. Und so achtet er bei den Einstellungsgesprächen eher darauf, wie gut ein Bewerber mit anderen Menschen umgehen kann. Vielversprechende Kandidaten unterziehen Finkelstein und sein Geschäftsführer dann einer weiteren Prüfung bei einer Verkostung. „Wirklich wichtig ist uns, dass eine Person es schafft, dass sich der Besucher bei uns zu Hause fühlt.“
  5. Ständige Mitarbeiterschulung. Wichtig ist, einen stabilen Plan für die Weiterbildung des Teams aufzustellen, der sich auf die Funktionen, auf den Vertrieb und den Wein konzentriert. Und die Teambuilding-Maßnahmen nicht vergessen,“ erklärt Plant. „Um etwas ‘unerwartet Großartiges’ zu schaffen, ist es genauso wichtig, dass Ihr Team reibungslos zusammenarbeitet, wie sicherzustellen, dass es sachkundig über Wein sprechen kann.“
  6. Behandeln Sie Ihre Mitarbeiter so, wie diese Ihre Gäste behandeln sollen. Sie möchten, dass Ihre Mitarbeiter dafür sorgen, dass Besucher sich wie zu Hause fühlen? Dann behandeln auch Sie Ihre Mitarbeiter so, als ob sie Familie wären, sagt Weinstein. „Wir unterstützen unsere Mitarbeiter und wir möchten, dass sie gerne zum Arbeiten herkommen.“ Die meisten der Mitarbeiter von Honig arbeiten Vollzeit und genießen gewisse Vorteile, einschließlich 401k-Sparpläne. Die Vergütung entspricht branchenüblichen Standards und sie erhalten eine Provision bei Erreichen gruppenbezogener – und nicht etwa individueller – Businessziele. Die Winzerei verpflichtet sich zu Teambuilding-Veranstaltungen und -Aufgaben und bietet den Arbeitern flexible Arbeitszeiten. „Ich denke, man merkt es einfach, wenn die Mitarbeiter zufrieden sind,“ erklärt Weinstein.
  7. Modernisieren statt stagnieren. Wie jeder andere Dienstleistungsakteur achtet auch Finkelstein sehr genau darauf, wie andere die Dinge handhaben. Wenn er einmal ausgeht – zum Dinner, zum Einkaufen oder wo auch immer – dann notiert er sich bestimmte Dinge, die ihn beeindrucken, und andere, die ihm negativ auffallen. Diese Tipps gibt er dann während der vierzehntägig stattfindenden Belegschaftsversammlungen weiter. Hier ein kleines Beispiel: Er wollte an einem hochklassigen Veranstaltungsort eine Reservierung tätigen, und obwohl er bereits zu Beginn der Unterhaltung darauf geachtet hatte, seinen Namen anzugeben, fragte ihn der dortige Mitarbeiter am Ende noch einmal danach. Nach diesem Erlebnis schwor er seine Mitarbeiter darauf ein, den Namen des Anrufers stets am Anfang des Gesprächs aufzuschreiben.
  8. Read ’em… Wenn bei Honig frischverheiratete Paare eintreffen, die nur in einer Ecke sitzen und sich verliebt in die Augen schauen möchten, dann schenken die Kellner ihnen regelmäßig Wein nach und lassen sie ansonsten völlig in Ruhe. Wenn ein enthusiastischer Weinfan auftaucht, der sich für alles interessiert, sogar für die von Honig genutzten Recyclingprogramme der Nomacorc-Verschlüsse, dann lassen die Mitarbeiter ihn bereitwillig an allem teilhaben, was sie wissen. Plant erklärt seinem Team stets, dass sie nach etwas Ausschau halten müssen, das für den Kunden ein „unerwarteter Genuss“ ist, wie die spezielle Geschmacksnote von etwas, das nicht auf der Speisekarte steht, oder ein kleiner Einblick hinter die Kulissen. „Ein Erlebnis wird nur dann wirklich faszinierend, wenn es zu  ihrem Erlebnis wird,“ wie Plant anmerkt.
  9. …and feed ’em. Projekte mit Wein und Essen sind „wunderbar effektiv, damit Kunden sehen können, wie harmonisch sich Wein in ihren Lebensstil einfügt,“ erläutert Plant. „Nicht alle haben einen Dekanter oder einen Weinkühlschrank bei sich zu Hause, aber so ziemlich jeder sitzt gerne rings um einen Tisch mit der Familie und mit Freunden. Und wir möchten ihnen zeigen, wie ideal ein Wein zu so ziemlich allen Gelegenheiten passt und dazu beiträgt, dass Menschen friedlich beisammen sitzen.“
  10. Vergessen Sie nie, warum Sie dies alles tun. „Ich ziehe meine ultimative Befriedigung aus der Bekanntschaft mit den Menschen, die unseren Wein mögen und genießen,“ erklärt Finkelstein, „aus der Verkostungsraum-Dynamik. Einen Wein herzustellen bedeutet wirklich harte Arbeit und manchmal gibt es Tage, an denen ich denke: Warum bin ich nur in dieses Geschäft eingestiegen? Es gibt so Zeiten, mitten in der Ernte, wenn ich klebrig vom Saft bin und irgendeine Wespe mich gerade gestochen hat… Dann muss ich einfach eine kleine Pause machen, nach vorne gehen – auch wenn ich immer noch klebe wie Fliegenleim – und nachschauen, wer gerade unseren Wein kostet. Wenn ihnen dann der Wein so richtig mundet und ich das sehe, dann berührt mich das ganz tief in der Seele. Und ich denke: ‘Wow, ich habe etwas geschaffen, das andere Menschen glücklich macht.’“

[CD1]http://www.nomacorc.com/blog/2015/06/ten-top-tasting-room-tips-from-california-wine-country-veterans/www.jacksonfamilywines.com/

[CD2] www.honigwine.com/

[CD3]http://www.juddshill.com/

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